Durch die Kulturhauptstadt hindurch und über sie hinaus?

Die Kulturhauptstadt Ruhr 2010 ist vorbei und damit findet auch die AG Kritische Kulturhauptstadt ihr natürliches Ende. Wir haben uns in neue Projekte und Initiativen aufgelöst. Einige von uns werden jedoch über diesen Blog ansprechbar bleiben.

Über einen Zeitraum von rund zweieinhalb Jahren beschäftigten wir uns mit der Kulturhauptstadt Ruhr 2010, und davon ausgehend mit dem Strukturwandel im Ruhrgebiet und dem Diskurs um die Bedeutung der sogenannten „Kreativwirtschaft“. Wir hatten geglaubt, die Kulturhauptstadt könnte eine Bühne sein, um mit kreativen Interventionen Unsichtbares sichtbar zu machen, irritierende Fragen zu stellen und mögliche Antworten zu diskutieren.

Das ist uns allenfalls im publizistischen Raum gelungen. Unsere Diskussionsveranstaltungen waren gut besucht und die journalistischen Anfragen und Rezeptionen unserer Thesen zahlreich. Wir hatten den Eindruck, dass alle, die etwas Kritisches zum Thema Kulturhauptstadt Ruhr suchten, früher oder später auch einmal bei uns landeten.

Unsere handgreiflichen Einmischungen in Form von angedachten Happenings, Besetzungen oder sonstigen Aktionen auf der Straße sind, vom Euromayday Ruhr 2010 in Dortmund abgesehen, leider ausgeblieben. Dafür war die Gruppe dann doch zu klein, unsere Impulse zu wenig mobilisierend und manchmal standen uns auch unsere eigenen zu hohen Ansprüche im Weg.

Dafür zeigten andere im Kulturhauptstadtjahr deutlich, dass fehlende Partizipation und Möglichkeitsräumen nicht nur beklagt, sondern auch ganz handgreiflich eingefordert wurden können: Die Besetzung von KünstlerInnen und anderen kreativen AktivistInnen im Juli in Essen (Freiraum2010) und im August in Dortmund (UZDO) machten deutlich, dass das Motto „Wandel durch Kultur – Kultur durch Wandel“ auch als Selbstermächtigung und direkte Aneignung verstanden werden konnte. Diese Initiativen begrüßten wir sehr.

Mit Blick auf die Freie Kulturszene im Ruhrgebiet haben wir versucht, dem Hype der „Kreativwirtschaft“ den die Kulturhauptstadt verbreitete, die prekären Lebens und Arbeitsverhältnisse vieler Kreativer entgegen zu stellen. Jenseits des Streits mit PolitikerInnen um Budgets und Fördermittel, brachten wir die Forderung nach einem bedingungslosen Grundeinkommen in die Diskussion. Diese Diskussion wurde nicht wirklich aufgegriffen. Offenbar steht bei vielen Kulturschaffenden immer noch das „künstlerische Selbst“ einer kritischen Reflektion des „unternehmerischen Selbst“ im Weg.

Das Wortgeklingel der Kulturhauptstadt zur Bedeutung der „Kreativwirtschaft“ und ihrer Förderung im Ruhrgebiet entwickelte sich erwartungsgemäß zur Lachnummer. Kreativität entwickelt die politische Klasse im Ruhrgebiet nur, wenn es darum geht, Fördermittel abzugreifen.

Auch wenn unser Resümee vielleicht etwas pessimistisch klingt, unser Einmischen in die Frage nach den sozialen, kulturellen und ökonomischen Perspektiven des Ruhrgebiets hat sich gelohnt und ein paar Spuren hinterlassen. Wir werden dies in anderen Zusammenhängen weiterhin tun. Zum Beispiel beim Euromayday, den wir 2010 ins Ruhrgebiet gepflanzt haben und den es 2011 in Dortmund wieder geben wird.

Unsere Leben sind nicht eure Geschäftsidee!

AG Kritische Kulturhauptstadt 1/2011

Recht-auf-Stadt Hamburg zu Gast

Veranstaltung über Erfahrungen im Kampf gegen Privatisierung und Homogenisierung von Stadt – Montag, 1.11., 19:30 Uhr, Soziales Zentrum Bochum (Josephstr. 2).

Nicht nur in Hamburg organisieren sich soziale Bewegungen unter dem Motto „Recht auf Stadt“. Das Konzept geht zurück auf den französischen Stadtsoziologen Henri Lefèbvre, der bereits in den 1960ern in Paris beobachtete, wie vor allem Migrantinnen und Migranten an den Rand der Stadt gedrängt wurden. Demgegenüber forderte er ein kollektives Recht auf Stadt. Alle Bewohnerinnen und Bewohner von Stadt sollen die Möglichkeit haben, mitzubestimmen, wie ihre Stadt gestaltet wird. Die Stadt gehört allen!

So verschieden, wie die Interessen an Stadt sind, so verschieden sind
auch die in den stadtpolitischen Initiativen aktiven Menschen. Und – trotz und wegen aller Unterschiedlichkeit der Proteste – haben sich in Hamburg im Recht-auf-Stadt-Netzwerk über 20 Initiativen zusammengefunden, um sich gemeinsam für eine soziale/re und gerechte/re Stadt einzusetzen. In der Veranstaltung berichten drei AktivistInnen über ihre Erfahrungen im Kampf gegen Privatisierung und Homogenisierung von Stadt.

mit Nicole Vrenegor (BUKO-Arbeitsschwerpunkt StadtRaum, ASSR), Christoph Twickel (Not in Our Name Marke Hamburg, NION), Jonas Füllner (Avanti, Recht auf Wohnraum)

Auswertung des Treffens vom 13.10.

Bei den Ruhrbaronen (und dem landfor-free-Blog) hat Tino Buchholz eine sehr lesenswerte Auswertung zu dem Treffen vom vergangenen Mittwoch (13.10.) der AG Kritische Kulturhauptstadt veröffentlicht.

Die Kulturhauptstadt geht – wir bleiben!

Einladung zum Austausch- und Vernetzungstreffen

Wenn die Kulturhauptstadt 2010 vorbei ist, wird Bilanz gezogen. Eigentlich ist das Ergebnis jetzt schon klar: Die beteiligten Offiziellen werden das große Kulturfest bejubeln und die wichtigen kreativwirtschaftlichen Akzente, die angeblich gesetzt wurden, hervorheben. Die AktivistInnen der Sozio-, Off- und Subkultur werden jammern, weil sie nichts oder nur Krümel vom Kuchen bekommen haben. (mehr…)

Bigness als Katastrophe

Die Absage der Loveparade in Bochum Anfang 2009 erscheint angesichts der Tragödie von Duisburg heute als vorausschauende Entscheidung. Die logistischen Probleme, der zu kleine und im Umbau befindliche Bahnhof sowie fehlende Freiflächen, waren die zentralen Argumente. Doch dazu gesellte sich seinerzeit eine ordnungspolitische Diskussion in der die Loveparade in erster Linie als Schmutz, Lärm und Drogenprobleme verursachende Unkultur wahrgenommen wurde. Die Kritik an dieser Provinzmentalität hat heute wie damals seine Berechtigung, unabhängig davon ob die Stadt Bochum einer solchen Veranstaltung überhaupt gewachsen gewesen wäre. (mehr…)