Wer hätte das gedacht!?

Auf der Veranstaltung »Komm in die Gänge – Hamburg meets Dortmund« Mitte Juli wurde sie ganz offen angekündigt: Eine Besetzung von KünstlerInnen in Essen. Gesagt getan: Am 18. Juli besetzte die Initiative freiraum2010 einen Teil des seit 2007 leerstehenden DGB-Hauses an der Schützenbahn in der Essener Innenstadt. In einem großen Ladenlokal wurden Ausstellungsräume und im Obergeschoss Atelierräume eingerichtet. Nach Androhung der polizeilichen Räumung durch die DGB eigene Immobiliengesellschaft VTG verließen die BesetzerInnen die Räume. Nun soll über eine „legale“ Zwischennutzung verhandelt werden. Die Initiative ist nicht sehr optimistisch, ist sie in der Vergangenheit diesen Weg doch schon einmal erfolglos gegangen.

Um das Gerede vom „Wandel durch Kultur“ nicht völlig hohl klingen zu lassen sah sich sogar Kulturhauptstadt-Direktor Dieter Gorny genötigt zu vermitteln. Vielleicht wollte sich der Direktor für „Kreativwirtschaft“ durch das Künstlerprekariat aber auch einfach nicht die Show stehlen lassen.

In Hamburg zeigt die Durchsetzung der Besetzung des Gängeviertels, gegen alle Widerstände, nicht nur das die lebendige Kampagne »Recht auf Stadt« mit der Verbindung von sozialen und kulturellen Forderungen ein großes Druckpotential entfalten kann, sondern auch, das zumindestens Teile der politischen Klasse verstanden haben, das explodierende Mieten und Verdrängungen, ihre Vorstellungen von der Förderung einer „Kreativen Stadt“ als neues Geschäftsmodell gefährden weil die Gentrifizierung kontraproduktiv wird.

Im Ruhrgebiet dagegen bestimmen Ignoranz, Leerstand und Langeweile die Städte. Kann man hier nur abhauen? Stefan Laurin hat unter dem Titel »Ruhrgebiet: Mittelmaß als Religion« dazu eine schöne böse Glosse geschrieben.

Wir bleiben noch ein bisschen hier und verfolgen und unterstützen mit Spannung das »UZ-Dormund« Projekt:

»An alle Macher/innen widerständiger Kunst/OFF/Kultur

auch wenn diese Ankündigung sehr kurzfristig kommt, möchten wir Euch auf ein Projekt in Dortmund aufmerksam machen, bei dem eine Gruppe von Künstler/innen, Musiker/innen und Aktivist/innen einen Unterschied in der Kulturhauptstadt Europas 2010 machen + Raum erobern will. Genauer, peilt die Initiative eine Urbane Intervention und ein OFF Kulturfestival an, um leer stehenden Raum in Dortmund neu zu nutzen.

Das Ruhrgebiet will nicht länger Industriemoloch sein, sondern Kulturhauptstadt und frohlockt mit seinem “Wandel durch Kultur”. Dieser Einladung wollen wir gerne folgen und durch eine direkte Aktion überzeugen. Frei nach dem Hamburger „Gängeviertel“ Motto wollen wir am 13.–23. August „in die Gänge kommen“ und ungenutzten Raum wiederbeleben. Geplant ist eine Kulturwoche mit Ausstellungen, Installationen, Performances, Konzerten, Screenings, Lesungen und Diskussionen. Hiermit wollen wir unseren Anspruch, unser Recht auf Stadt, signalisieren und einen Unterschied zum hoheitlich kuratierten Kulturhauptstadtspektakel in die Öffentlichkeit tragen.

Anders als in Hamburg lautet die Fragestellung im ruhrpott jedoch: Was passiert, wenn nichts passiert? Weil Kunst und Kultur nicht etwas ist, das im Kulturhauptstadtjahr 2010 planbar portioniert werden will, sondern zum Zeitpunkt ihrer Wahl die Nischen und Brachen Dortmunds erfüllt und belebt, starten wir diese urbane (inter)Aktion.

Jede_r darf sich also herzlich eingeladen fühlen, mit uns nett zu feiern, nett zu zelebrieren, nett zu nerven und nett zu fordern. Meldet euch bei: uzdortmund@riseup.net

Sonntags ab 19 uhr finden Vorbereitungstreffen im Kulturhaus des Taranta Babu, Humboldstraße 44 in Dortmund statt – kommt dazu und bringt euch ein.«